Vor knapp zehn Jahren beschrieb ein befreundeter Anästhesist unter der Überschrift “Eine geheimnisvolle Insel” (in: Getschmann: Arbeitswelten von innen betrachtet, S. 49ff) seine Sicht auf das Tagesgeschehen in einem Krankenhaus. Er stellte die Besonderheit, das Exotische und Entfernte von allen anderen ihm bekannten Formen der Organisationskultur dabei heraus. Wenn ich dieser Tage häufiger coachend/beratend in Krankenhäusern ein und aus gehe, so kann ich nur feststellen, dass die Zeit gewaltig an der geheimnisvollen Insel genagt hat: Die Probleme und Herausforderungen gleichen nun deutlich mehr jenen in anderen ertragsorientierten Organisationskulturen.

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Und vielleicht ist dies auch der Schlüssel zur Annäherung. Unterschiede im kommunikativen und produktiven Miteinander ergeben sich erst in zweiter Linie aus dem Produkt. Wichtiger ist zunächst die Frage, ob betriebswirtschaftlich nachvollziehbar gewirtschaftet werden muss oder nicht. Nun ist sicher noch nicht allen Krankenhäusern das Exotische gänzlich abhanden gekommen, aber das Kappen von Ritualen und Tabus, deren Nutzniesser nicht der Patient war, hat der Branche sicher gut getan. Dass Erfahrungen nicht mehr nur am Honoratiorentisch ausgetauscht werden, sondern in Form von hartem Datenmaterial über z.B. Hygienemaßnahmen oder Sterbefälle im Prinzip zur Verfügung stehen, belebt den Qualitätswettbewerb. Hier darf und sollte aber sicher noch mehr passieren. Wer nun gleich den “Totsparhammer” als Gegenargument ins Feld führen will, der möge mal im Ausland als Nicht-Privatversicherter bettlägrig werden.